Der Beitrag „Establishment and Stability of Information Aggregation Routines: The Case of Performance Evaluations“ von Peter Kotzian und Kai A. Bauch wurde bei Management Revue angenommen. Der Beitrag ist unter https://doi.org/10.31083/MRev52240 verfügbar.
Zusammenfassung
Akteure etablieren Entscheidungsroutinen, um die Entscheidungsfindung bei wiederkehrenden Aufgaben zu vereinfachen und zu beschleunigen. Das Konzept stabiler Entscheidungsroutinen ist in vielen Bereichen der Verhaltensforschung, gerade auch bei Managemententscheidungen, stark verankert, insbesondere bei Aufgaben, die die Aggregation von Informationen beinhalten. Es wird angenommen, dass Akteure ihren Entscheidungsroutinen treu bleiben, insbesondere kurzfristig. Die Gültigkeit dieser Annahme wird jedoch nur selten überprüft. Am Beispiel der Leistungsbewertung von Mitarbeitern wird über die Rekonstruktion der Entscheidungsroutinen von Akteuren mittels statistischer Modelle untersucht, ob und wie solche Entscheidungsroutinen etabliert werden, wie sie aussehen und vor allem, wie beständig sie sind. Ebenfalls untersucht wird die Relevanz persönlicher Merkmale des Akteurs für die Etablierung von Entscheidungsroutinen. Unsere Ergebnisse zeigen einen Widerspruch, der der Forschung zu Entscheidungsroutinen, auch bei Managemententscheidungen, zugrunde liegt: Auf den ersten Blick deuten die Belege der bisherigen Forschung wie auch die Befunde dieser Studie darauf hin, dass Entscheidungen scheinbar erfolgreich mithilfe einfacher Routinen rekonstruiert werden können – oft orientiert am linear-additiven Bewertungsmodell, das Schulnoten zugrunde liegt. Dies deutet auf stabile Routinen hin, die die Grundlage für aussagekräftige Forschung, z.B., zu generellen Biases in der Entscheidungsfindung, aber auch die spezielle Fragestellung der Leistungsbeurteilungen sein können. Entgegen der impliziten Annahme stabiler Routinen stellen wir jedoch fest, dass Entscheidungsroutinen trotz der hohen Erklärungskraft von Entscheidungsmodellen nicht stabil sind, selbst bei wiederholter Durchführung einer Aufgabe wie der Leistungsbeurteilung von Mitarbeitern. Trotz scheinbarer Stabilität ändern sich Entscheidungsroutinen deutlich im Verlauf einer wiederholten Aufgabe. Das Papier diskutiert die Auswirkungen dieser Befunde auf die Entscheidungsfindung von Führungskräften und die Forschung zu Biases bei wiederkehrenden Entscheidungen.